Rhythmisierung / Grüne Stunden

In einem 14-tägigen Schülerbetriebspraktikum in der Jahrgangsstufe 10 bietet unsere Schule den Schülerinnen und Schülern eine weitere Hilfe, den schwierigen Prozess der Berufs- und Studienwahl stärker zu unterstützen. Angesichts der tiefgreifenden Veränderungen, die sich auf dem Arbeitsmarkt und in der Arbeitswelt vollziehen, scheint dies dringend geboten.
Nicht nur der größere Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch die Einsicht, dass eine Berufsentschei¬dung nicht mehr für ein ganzes Arbeitsleben gültig sein muss, macht die Studien- und Be¬rufswahl zur wichtigen Grundlage für den weiteren Lebensweg und damit die Berufswahl¬kompetenz  zur dringenden Angelegenheit auch für die Schule. Somit können die Schülerinnen und Schüler einen weiteren Ein-blick in die Wirklichkeit der Arbeits- und Wirtschaftswelt erhalten und berufliche Tä-tigkeiten und Aufgaben kennen lernen. Das Betriebspraktikum bietet darüber hinaus immer auch eine Hilfestellung bei der Vorbereitung der eigenen Berufswahl. Es eröffnet die Möglichkeit, sich seiner Interessen, Neigungen und Fähigkeiten besser bewusst zu werden; sei es, dass man anschließend sagen kann, das erfahrene berufliche Umfeld komme für einen selbst in Frage, oder sei es, dass man die Gewissheit erhält, diesen Beruf nicht ausüben zu wollen.
An der Paul-Gerhardt-Schule begleiten die Lehrer des Faches Wirtschaft und Politik die Schülerinnen und Schüler im gesamten Praktikumsverlauf. Sie stehen helfend und beratend zur Seite, organisieren Informationsveranstaltungen, stellen Prakti-kumsunterlagen bereit, halten Kontakt zu den Betrieben und besuchen die Schüle-rinnen und Schüler im Praktikum.
Allerdings wird gerade im Praktikum von den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit verlangt. Ob es die sinnvolle Wahl eines Praktikumsplatzes ist, eine gute Bewerbung, Offenheit und Bereitschaft sich auf betriebliche Abläufe einzulassen oder zugewiesene Aufgaben auch unter Belastungen pflichtbewusst aber nicht unkritisch auszuführen: Der Praktikumserfolg wird vor allem vom individuellen Einsatz bestimmt.
Unsere Schülerinnen und Schüler nehmen das Praktikumsangebot gerne an, und sie nutzen ihre Freiräume in Wahl und Lage der Praktikumsplätze. Das Betriebspraktikum ist beliebt, die gewonnenen Erfahrungen werden überwiegend positiv beurteilt. In unserer Erhebungen nach dem Praktikum geben immerhin 85-90% der Schülerin-nen und Schüler an, dass ihnen das Praktikum gut oder sehr gut gefallen hat. Dieser Wert ist seit 6 Jahren konstant. Das Betriebspraktikum strahlt über den regionalen Einzugsbereich der Paul-Gerhardt-Schule weit hinaus. Während ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler Praktikumsstellen in Dassel, Einbeck, Northeim, Göttin-gen, Holzminden, Stadtoldendorf und Eschershausen bevorzugen sind aber auch Hannover, Hamburg, Berlin und München als Praktikumsorte keine Seltenheit. Ins-besondere unsere Internatsschülerinnen und -schüler machen hier unsere Schule weit über die Region Dassel hinausgehend bekannt und bereichern das Schul- und Internatsleben mit ihren Erfahrungen.
Die Wahl der Praktikumsplätze ist zu vielschichtig, als dass man sie an dieser Stelle alle nennen könnte. Von politischen Einrichtungen wie dem Deutschen Bundestag und Niedersächsischen Landtag, über Zeitungen, Ärzte, Anwälte und Verwaltungen, bis zu zahlreichen produzierenden Klein-, Mittel- und Großbetrieben reichen die an-gewählten Praktikumsstellen, wobei in den letzten Jahren – wie könnte es anders sein – mit dem Internet befasste Unternehmen, aber auch der Bereich Architektur und Design mehr gefragt waren.
Um die Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler während des Praktikums gesammelt haben, zu bewusstem Lernen zu nutzen, bedarf es einer vielschichtigen Auswertung und Vertiefung dieser Erfahrungen. Sie werden dokumentiert und auf diese Weise nun mehr theoretisch, aber möglichst anschaulich, in die Schule und den Unterricht hineingeholt. Dies geschieht zum einen durch umfangreiche Praktikumsberichte und zum anderen durch Wandzeitungen, die dann in Ausstellungen in der Schulöffentlichkeit und außerhalb der Schule präsentiert werden. Das setzt natürlich voraus, dass die Schüler von den betreffenden Betriebsvertretern beim Sammeln interessanter Dokumentationsmaterialien unterstützt werden, welches auch sehr bereitwillig geschieht.
Nach dem Betriebspraktikum sind alle vorab genannten Vorbehalte, Unsicherheiten oder auch Ängste vor der neuen Situation abgebaut, und für zwei Drittel der Schülerinnen und Schülern sind die Erfahrungen so gut, dass sie die 14 Tage gerne verlängert hätten.