2012 hat zum zweiten Mal im März / April ein drei-wöchiger Austausch mit La Réunion stattgefunden. Die 14 Teilnehmer kamen aus dem Jahrgang 10 und 12, Französisch als 2. Fremdsprache war Voraussetzung. Wie ihr vielleicht (noch nicht) wisst, La Réunion liegt im Indischen Ozean, ist eine Nachbarinsel von Madagaskar und gehört zu Frankreich und damit zur Europäischen Union. Da man innerhalb der Europäischen Union bleibt, braucht man zur Einreise weder ein Visum noch einen Pass, der Personalausweis genügt und man kann mit dem Euro bezahlen.

La Réunion hat etwa die Größe des Saarlandes. Badestrände gibt es nicht so viele, dafür aber im Innern Bergketten teils erloschener Vulkane von bis zu 3000m, eingeschlossen dem noch tätigen Vulkan „Piton de la Fournaise“, der in regelmäßigen Abständen seine Lava ins Meer fließen lässt.
Die insgesamt 24-stündige Reise nach La Réunion war etwas beschwerlich, aber auch aufregend. Zuerst mussten wir von Hannover nach Paris fliegen in einem so kleinen Flugzeug, dass unsere Gruppe fast die Exklusivität eines nur von uns besetzten Flugzeugs genießen konnte. In Paris brachte uns ein Shuttlebus quer durch Paris zu einem anderen Flughafen, wo wir noch einmal einige Stunden warten mussten, ehe unser 11-stündiger Flug nach La Réunion startete. Dieses Flugzeug war erheblich größer und jeder hatte die Möglichkeit und den Luxus, wenn er wollte, sich die ganze Nacht die neuesten Filme anzusehen, je nach Müdigkeitsgrad.

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Als wir am Morgen in La Réunion landeten, hatten wir zuerst einen Klimaschock: Backofenwarme feuchte Luft schlug uns beim Ausstieg entgegen. Am Flughafen erwartete uns ein herzlicher Empfang unserer Austauschpartner.

Die Bevölkerung von La Réunion setzt sich aus verschiedenen Kulturen mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit zusammen. Neben den Nachkommen der ehemaligen französischen weißen Kolonialherren, gibt es Einwohner mit afrikanischen und asiatischen Wurzeln. Die Gastfamilien spiegelten diese Vielfalt an Kulturen wider, so dass dieser Austausch für die Teilnehmer neben einem Sprachaustausch auch ein Kennenlernen und Eintauchen in den Alltag einer fremden Kultur bedeutete.

Neben einem meist ganztägigen Schulbesuch haben wir etliche Ausflüge unternommen, um die Insel kennenzulernen. Hierzu gehörten Korallenschnorcheln, eine Inselumrundung mit dem Bus, der Besuch einer Schildkrötenaufzuchtstation, ein Ausflug in die Berge zu einem Ort, den die ehemaligen Kolonialherren wegen seiner angenehm kühlen Luft schon früh für sich entdeckt hatten. Auf dieser Busfahrt waren besonders die von den Bergen sprudelnden zahlreichen Wasserfälle beeindruckend. Ein weiterer Ausflug ins Landesinnere zu dem noch tätigen Vulkan fiel dann leider wegen wolkenbruchartiger Regenfälle ins Wasser. Wir hatten leider noch einen Teil der Regenzeit erwischt, was bedeutete, dass es ohne Unterlass drei Tag schüttete.
Das erstaunliche Ergebnis des Schulbesuchs auf La Réunion war übrigens, dass die Teilnehmer übereinstimmend anschließend feststellten, dass es doch ein Glück sei, in Deutschland in die Schule gehen zu dürfen. Dies ist sicher nicht den französischen Kollegen anzulasten, eher dem noch sehr rigiden Schulsystem, in dem Unterrichtsgespräche oder Gruppenarbeit noch eher die Seltenheit sind.
Unser exotisches Abschiedsfest in dem Garten einer der Gasteltern wurde von einer Gruppe einheimischer Trommler begleitet. Den Leiter hatten wir vorher bei einem Besuch der Musikschule kennengelernt. Hier durften auch wir uns mit mehr oder weniger Erfolg an den verschiedenen Trommeln versuchen, doch es dauert wohl doch etwas länger, bis einem die afrikanischen Rhythmen ins Blut übergehen. Spaß gemacht hat es trotzdem.
Alles in allem waren es sehr erfahrungsreiche und abwechslungsreiche drei Wochen, die wir auf La Réunion verlebt haben.
Übrigens erzählte mir eine unserer Praktikantinnen, die gerade ihr Schulpraktikum an der Paul-Gerhardt-Schule absolviert und die in Wunstorf zur Schule gegangen ist, dass auch sie während ihrer Schulzeit an einem Austausch mit La Réunion teilgenommen hat. Mit dem Abstand von einigen Jahren beurteilt sie die Erfahrungen und Eindrücke, die sie damals gesammelt hat, als unvergesslich.
Sabine Gildemeister